People: Christina im Schlosspark

Meine Freundin hat schwer drunter zu leiden, dass ich ständig Kameras mitschleppe und bei Ausflügen grundsätzlich alle zehn Sekunden anhalte, um irgendetwas zu fotografieren. Ein guter Kompromiss stellte für mich ihr Vorschlag dar, das Geknipse in einer Art und Weise zu nutzen, in der es die Beziehung fördert: in einem Shooting mit ihr.

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Zugegebenermaßen habe ich mit Peoplefotografie keinerlei Erfahrung und sehe mich aufgrund meines Unvermögens, auf Menschen einzugehen, auch nicht unbedingt im Stande, dort Fuß zu fassen. Klar, viele Fotos – auch von Personen – faszinieren mich doch sehr, allerdings eher aus technischer/kompositorischer Sicht. Die Message ist für mich unbedeutend und belanglos, künstliches Posen wirkt auf mich gar lächerlich und grotesk. Ein gutes Motiv ist für mich ein Objekt, das im Fokus steht; Pragmatisch auf seine wichtigsten Eigenschaften reduziert, ohne Schnörkel und Umwege, ohne Deko und Verfälschung von Tatsachen. Von daher ist die Peoplefotografie für mich ein rotes Tuch, das ich nur mit Vorsicht genieße und bewusst umgehe – auch wenn ich insgeheim manchmal davon träume, DAS perfekte (Street-) Portrait zu schießen.

Ein Fotograf muss mit seinem Fotomodell interagieren und es motivieren, er ist der Strippenzieher in einem Puppentheater. So viel zur Theorie. Jedoch ist ein Mensch etwas komplett anderes, als eine Pflanze, auf deren Blüte ich mit dem 200mm Tele ziele und somit aus botanischer Sicht ein sicherlich interessantes, aus fotografischer Sicht jedoch banales Foto schieße. Ich bin Pragmatiker, mir reicht es, wenn das Objekt im Mittelpunkt steht. Fotografische Ästhetik und dazugehörige Regeln sind in meiner Welt nicht unbedingt das Maß der Dinge, wenn es um den Entstehungsprozess eines – für mich pefekten – Fotos geht. Ein Ansatz, der in der Produkt- und Makrofotografie sicherlich noch gelten mag, jedoch in der Peoplefotografie jegliche Konventionen sprengt und völlig fehl am Platze ist.

Aus genannten Gründen ist meine Freundin bislang mein einziges menschliches „Fotomodell“, das in den Genuß kam, sich von mir knipsen zu lassen. Ihr Vorschlag des Shootings stellte daher für mich auch keine all zu unüberwindbare Hürde dar und ich ging mit großer Vorfreude ans Shooting im emsländischen Sögel.

In Fotografiegruppen, in denen ich meine Erstlingswerke postete hagelte es an Kritik. In erster Linie Kritik am Modell und dem Composing: Modell zu steif, Modell wirkt, als wolle sie nicht im Bild sein, Modell zu mittig positioniert, unvorteilhafte Posen.

Mit dem Output, den der Tag brachte, bin ich jedoch – angesichts gegebener Verhältnisse – völlig zufrieden; weder bin ich der geborene Peoplefotograf, noch hat meine Freundin Erfahrungen vor der Linse. Technisch gesehen gibt es zwar die ein oder anderen Punkte, die ich im Nachhinein verbessern könnte. Dazu zählt in erster Linie die Postproduktion der Fotos, bei denen mir die Homogenität ein wenig fehlt – auch machte ich bei diversen Filtern qualitative Abstriche, die nicht hätten sein müssen. Und ein zweiter Blitz hätte einige qualitätsmindernde Korrekturen überflüssig gemacht (sieht man am Bildmatsch in einigen Bereichen. Der Vollständigkeit halber habe ich mich allerdings dafür entschieden, die Bilder dennoch zu veröffentlichen). Doch gerade die bemängelte Symmetrie ist für mich etwas, das ich mit Ästhetik verbinde.

Was ich jedoch im Nachhinein sehr schade empfinde, ist die Tatsache, dass wir zwar coole Ideen hatten, es jedoch an der Umsetzung haperte, bzw. meine Ideen für unser Level wahrscheinlich eine Hausnummer zu hoch waren. Hier sei das Bild mit dem schwingenden Tuch als Paradebeispiel genannt, das in Gedanken weitaus dynamischer daherkam.

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