Wo beginnt Fotografie? Bedarf es dazu teurer Kameras?

Da ich in vielen Fotogruppen aktiv bin, lese ich ständig Beiträge von anderen Hobbyfotografen, die sich dafür rechtfertigen, ihre Bilder nur mit dem Handy zu machen. Heute war ich in Schreiblaune und verfasste folgende Zeilen unter einem solchen Beitrag:

Man braucht zum Fotografieren keine teure Kamera. Ein Handy reicht völlig aus..Verstehe nicht, wieso man sich dafür rechtfertigen muss? Einzig fotografische Grundlagen zur Bildgestaltung sind nötig, um ein tolles Foto zu machen. (Ok, abgesehen von der Theorie. Aber Belichtungsdreieck, Schärfeebene, DOF und co sind beim Handy eh kein großes Thema..).

Und hier beginnt der Unterschied zwischen „Knipsen“ und Fotografieren. Du willst fotografieren, knipst aber lediglich.

Warum ich das behaupte?

Fotografie ist ein Gedankenspiel: Deine Blickwinkel auf die Motive sind langweilig, ohne Hintergedanke, wie ein Motiv im Bild wirken mag. Achte auf Details und Hintergründe.. Ein Bild entsteht zu 95% im Kopf desjenigen, der den Auslöser drückt. Alles andere sind nur Photonen, die auf einen Sensor oder Film gebannt werden. Findest Du die Colaflaschen und den Postkartenständer hinter dem Hund wirklich ästhetisch? Warum nicht einen ruhigen Hintergrund und eine Perspektive auf Aufgenhöhe? Wozu der angerissene Rundbogen bei der schwarzweißen Katze in der linken Ecke? Warum die Totale der unteren Katze, warum nicht ein Portrait? Warum die abgeschnittenen Pfoten?

Du wirst dir ja irgendwelche Gedanken beim Auslösen gemacht haben, weshalb du gerade diesen jeweiligen Bildschnitt wähltest. Wenn nicht: Lerne, dich auf Details außerhalb des eigentlichen Motivs zu fokussieren, wenn du den Hintergrund schon nicht per großer Offenblende ausblenden kannst – was bei einem Handy eh nicht möglich ist. Gerade dieses Manko muss man durch perfektem Bildaufbau und Komposition umgehen. Bei einer DSLR mit zb 50/1.8er Hast du den Fokus auf dem Motiv, achtest etwas auf Fibonacci und 2/3 und brauchst dich nicht großartig um den Hintergrund kümmern, weil er eh außerhalb der Schärfeebene liegt und nicht sichtbar ist (um es mal überspitzt zu formulieren!).

Gerade wenn man nicht die Möglichkeit hat, mit weit geöffneten Blenden zu arbeiten, muss man sich viel mehr Gedanken machen, wie die Gesamtstimmung wirkt. Weil einfach jedes Detail im Bild scharf ist und ins Auge springt. Du hast schon einige Begriffe in meinem Text gefunden: Fibonacci und 2/3-Regel. Im Grunde ist das der goldene Schnitt, den schon die alten Griechen in der Architektur nutzten. Es kommt auf die Gesamtästhetik an. Diese erreicht man nur, wenn man sich Gedanken macht und nicht einfach draufhält.

Neben der Bildgestaltung ist es natürlich auch wichtig auf Schärfe und Belichtung zu achten. Liegt das Hauptmotiv im Fokus? Saufen die Tiefen nicht ab, sind die Höhen nicht ausgebrannt? Auch das sind Dinge, die bei deinen drei gezeigten Bildern leider sehr auffallen. Ich hoffe, ein paar Anreize gegeben zu haben.

Wichtig: Fotografie ist Kopfsache. Das Werkzeug ist austauschbar. Man kann auch mit einem Handy richtig gute Fotos machen und mit einer 3000Eur DSLR richtig schlechte.

Ich finde es schade, wie Menschen, die Spaß an einem Hobby haben, sich jegliche Perfektion selbst absprechen und nichtmal den Ansatz einer Entwicklung verfolgen. Mit einem Satz wie

Leider kann ich mir keine teure Kamera leisten, deswegen gehe ich meinem Hobby Fotografie mit meiner Handykamera nach, und versuche das beste raus zu holen.

Das sind unsere drei Tiere… ich hoffe es gefällt euch dennoch.

begibt man sich jedoch genau in diese Richtung.

Gerade das macht doch ein Hobby aus: Sich mit Herzblut selbst herauszufordern und sich zu entwickeln. Wozu diese Abstufung durch ein verwendetes Smartphone zur Fotografie?

Wie mein letzter Satz schon sagte: Man kann mit einer 3000Eur DSLR schlechte Bilder machen, mit einem Smartphone aber richtig gute. Es ist alles eine Kopfsache. Fotografie entsteht im Kopf. Voraussetzung zur Fotografie ist, dass man sich mit dem Motiv befasst, ein Konzept zur Wirkung des Bildaufbau im Kopf hat, bevor man das Bild macht. Und dem Bild ist es herzlich egal, mit welch einem Kameramodell es geschossen wurde!

Nein, ich möchte hier niemanden bloßstellen. Ich finde es nur schade, dass es ein Trend zu sein scheint, sich hinter dem Smartphone zu verstecken. Wer fotografieren will, soll es bitte einfach machen und den Spaß daran genießen. Entwicklung ist ein unaufhaltsamer Prozess, der mit der Freude kommt. Auf Instagram und co gibt es mittlerweile genug Beispiele, dass Handybilder gut – und ja, richtig gut! – sein können. Man muss sich lediglich mit den Grundlagen der Fotografie auseinandersetzen.

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