Fotorucksack im Test: Mantona Rhodolit

Nachdem ich in den letzten 12 Monaten nun drei Fototaschen nutzte und in allen erdenklichen Situationen mit mir herumschleppte, stellte ich fest, dass die Taschen mit jeder Neuanschaffung größer – und somit sperriger – wurden. Analog zum Equipment wuchs auch das Taschenvolumen – und mit damit einhergehend sank der Tragekomfort.

Mit Fototaschen ist es immer so eine Sache.. Man kauft eine, ist über einen gewissen Zeitraum damit völlig zufrieden und stellt fest: es fehlt doch das gewisse Etwas, das man gern hätte. Oder aber man kommt zu der Feststellung: wäre ein Fotorucksack nicht die bessere Wahl?

Mantona Rhodolit Frontalansicht Fotorucksack

Passenderweise gab es vor einigen Wochen bei einem großen Fotohändler ein Angebot, das ich nicht ausschlagen konnte. Mit 50% Rabatt wurde das Modell Rhodolit von Mantona unters Volk geschmissen. Statt der sonst üblichen ~80Euro, lag der Preis lediglich bei rund 40€. Die Rezensionen im Netz sprachen eine recht deutliche Sprache; Auch in Foren wurde der Rucksack als Geheimtipp in Sachen Preis/Leistungsverhältnis hochgepriesen.

Da ich ohnehin auf der Suche nach einer neuen Transportmöglichkeit für mein Equipment war und in anbetracht der nahenden Festivalsaison etwas brauchte, was mich nicht in der Bewegung einschränkt und zudem möglichst viel Stauraum für’s Equipment bietet, sollte der Rhodolit mein neuer Fotorucksack werden.

Auf den ersten Blick erinnert der Rhodolit an übliche Treckingrucksäcke. Breite, gepolsterte Schultergurte mit Brust- und Bauchgurt, sowie ein gepolstertes Rückenteil sprechen für hohen Tragekomfort auch bei maximaler Beladung.

Fotorucksack Mantona Rhodolit Innenansicht Stauraum Kamera Objektive

Das Hauptfach befindet sich in den unteren zwei Dritteln des Rucksacks und nimmt Body und Objektive auf. In der Standardkonfiguration reicht die Anordnung der wechselbaren Trennwände für eine SLR mit aufgesetztem Objektiv (auch ein 250mm Tele passt locker rein), sowie für fünf weitere Objektive – oder Zubehör. Die Trennwände sind aus Schaumstoff und lassen sich durch Klettbänder einfach wechseln und individuell anordnen. Somit lassen sich verschiedene Szenarien realisieren.

Idealerweise bietet das Hauptfach drei Öffnungsmöglichkeiten. Der große Frontdeckel bietet Zugriff auf alle Fächer (ehrlicherweise sei erwähnt, dass die am Rand gelegenen Fächer nur mit Fingerspitzengefühl erreichbar sind). Mit den Seitenklappen lassen sich die Randfächer bedienen, womit die Fummelei bei der Entnahme durch den Frontdeckel relativiert wird. Ein weiteres Fach befindet sich im Frontdeckel selbst und bietet Raum für Handbuch, Putztuch, Tasche für Speicherkarten o.Ä.

Fotorucksack Mantona Rhodolit Innenansicht oberes Fach

Im oberen Drittel des Rucksack findet sich ein weiteres Fach, das durch die bereits erwähnten Trennelemente vom Hauptfach abgegrenzt ist. Hier lässt sich weiteres Zubehör unterbringen, oder direkt ein zweiter Body, der leider nicht mehr ins Hauptfach passt. In meiner Konfiguration ist dies ein Aufsteckblitz und eine recht große EOS 30 samt Batteriegriff. Zusätzlich passen noch drei 35mm Filme hinein. Für Speicherkarten und Kleinkram befinden sich Schlitze in der Rückseite des oberen Faches. Jedoch sind diese bei gefülltem Fach nur schwer erreichbar und geraten in Vergessenheit – wodurch man Gefahr läuft, Dinge zu suchen.

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Ein Highlight des Rucksacks ist die Stativhalterung an der Vorderseite. Bei Bedarf greift man in einen Schlitz im Frontdeckel und zieht eine kleine Tasche heraus. Hier wird das Stativ eingesteckt und durch eine zusätzliche Verzurrung an den Ösen an der Vorderseite fixiert. Eine grandiose Idee, die allerdings nur mit kleinen Stativen wirklich gut funktioniert. Größere und schwerere Stative baumeln gern etwas unkontrolliert herum und neigen dazu, vorn über zu kippen. Möchte man dies vermeiden, kann man in dieser Halterung jedoch auch prima eine hölzerne Dekogiraffe transportieren – dies aus anatomischen Gründen jedoch nur Kopfüber.

Ein weiteres Highlight ist das Regenkondom, das bei – wie der Name schon sagt – Regen über den Rucksack gezogen wird und das sensible Innere vor dem Nass schützt. Das Material ist ein fester, imprägnierter Zeltstoff, der auch einem Starkregen zuverlässig standhält.

Was den Rucksack so interessant macht, sind seine Features, die man eben nur auf dem zweiten Blick erkennt. Wie Stativhalterung und Regenkondom, ist das Rückenfach auch eine äußerst praktische Sache. Laut Foren ließe sich hier ein iPad o.Ä. transportieren. Angesichts des Drucks, der beim Tragen auf dieser Tasche lastet, wäre ich da jedoch sehr skeptisch und nutze das Fach ausschließlich für eine kleine Schaumstoffmatte, die ich beim Fotografieren nicht mehr missen möchte. Nicht nur das Hocken auf steinigem Untergrund wird angenehmer, auch der Tragekomfort des Rucksacks verbessert sich durch diese Matte ungemein – und der Kater hat ebenfalls seine Freude!

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Zu guter letzt die unabdingaren Negativpunkte, die ich leider nicht verschweigen kann. Der Rucksack ist super, keine Frage. Ich kann ihn auch guten Gewissens weiterempfehlen. Jedoch gibt es zwei oder drei Kleinigkeiten, mit denen ich nicht im Einklang bin. Und hier ist das großer Aber..

Zum einen wären es die Reißverschlüsse, die sehr fein gezahnt sind und sich gern im Saum verheddern. Bei vollem Rucksack lastet zudem ein großer Druck auf ihnen, so dass eine gröbere Zahnung deutlich stabiler wirken würde. Bleiben wir bei den Reißverschlüssen: Bis auf das Hauptfach haben alle Fächer lediglich einen Zipper. Zwei wären absolut wünschenswert. Warum? Um beispielsweise ein kleines Vorhängeschloss zu befestigen und das Fach zumindest rudimentär gegen unabsichtliches Öffnen zu sichern. Das Problem ist nämlich, dass die Reißverschlüsse der Seitenfächer bei voller Beladung gern mal 1-3 cm nach oben rutschen. Taschendiebe hätten hier im Gedrängel ein leichtes Spiel.

Das wäre das Hauptmanko. Kleinigkeiten hingegen sind: der Moosgummigriff, bei dem ich den Eindruck habe, dass er durch Handschweiß irgendwann porös wird und zerbröselt. Allerdings trage ich den Rucksack eh kaum an diesem Griff, so dass ich dies nur der Vollständigkeit halber erwähne. Auch die beiden Klipser auf der Moosgummiapplikation auf der Frontseite sitzen manchmal etwas locker und mussten durch beherztes zusammendrücken wieder fixiert werden.

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Im Großen und Ganzen ist der Rhodolit jedoch ein super Rucksack, den ich guten Gewissens empfehlen kann. Ob er seine regulären 80Eur jedoch Wert ist, sollte jeder für sich selbst entscheiden. Im Angebot macht man mit diesem Teil aber nichts falsch. Sein Stauraum spricht für sich: 2 Bodys und 6 Objektive + Blitz und Kleinkram schluckt der Rucksack locker. Was dann jedoch nicht mehr hineinpasst: Verpflegung. Nichtmal eine 0,5l PET-Flasche. Ein Flaschennetz wäre das Tüpfelchen auf dem i gewesen. Aber man muss sich vor Augen halten, dass dies ein Fotorucksack ist und kein Treckingrucksack für Bergwanderungen.

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