Anleitung: Keuchhusten bei Canon-A-Serie beseitigen

Die A-Serie von Canon ist legendär und erfreut sich mittlerweile wieder großer Beliebtheit, seitdem die analoge Fotografie in den letzten Jahren eine Renaissance erlebt.

Neben der namensgebenden A-1, die das Topmodell der A-Serie darstellt und 1978 erschien, findet man häufig die AE-1 und ihr direktes Upgrade, die AE-1 Program. Eher seltener stößt man heute auf die AT-1 und die AV-1, wenngleich sie auf Kleinanzeigenportalen immer mal wieder zu finden sind. Ein wahrer Exot hingegen ist die AL-1, die bereits in geringerer Auflage produziert wurde und schon damals ein Nischendasein innerhalb der A-Serie innehatte.

Doch eines ist den, zwischen 1976 und 1983 erschienenen Kameras, immer gleich: Sie sind robust, langlebig, puristisch und absolut kultig, wenn nicht gar legendär. Sicherlich die ausschlaggebenden Faktoren, weshalb man über 40 Jahre später noch so viele Fans dieser Kameras findet; Fans, die die Kameras regelmäßig nutzen und natürlich auch sammeln. Mich eingeschlossen.

Doch man kann die A-Serie noch so hochloben. Der Zahn der Zeit nagt auch an ihr. Neuwertige (MINT/NEAR MINT) Modelle, sind heute ein Glückstreffer. Neben den üblichen Abnutzungen am Gehäuselack, sind es oft Kunststoffteile, die spröde werden und brechen und besonders Häufig: Der Keuchhusten.

Letzteres ist ein hochfrequentes Quietschen der Spiegeldämpfung, das beim Auslösen ertönt. Zudem ist die Geschwindigkeit des Spiegels stark verlangsamt. In etwa so, als würde man sich selbst unter Wasser fortbewegen. Ob das Symptom auch Auswirkungen auf die Verschlusszeit hat, weiß nicht nicht – jedoch senkt es die Fotografiergeschwindigkeit im Allgemeinen. Eine einzelne Kamera mit Keuchhusten mag vielleicht gar nicht auffallen, doch wenn man ein Vergleichsgerät ohne Keuchhusten hat, weiß man, womit man es zu tun hat.

Kameras mit „Keuchhusten“ werden oft als DEFEKT angeboten. Doch wer weiß, wie man dieses Problem mit wenigen Handgriffen löst, kann hier das ein oder andere Schnäppchen schlagen. Denn der Keuchhusten ist absolut reversibel und lediglich ein Symptom verharzter Schmiermittel, die den Spiegelmechanismus verkleben.

Im Netz findet man viele Anleitungen, um dem Problem Herr zu werden. Oftmals wird beschrieben, wie man durch den Boden der Kamera blind eine Kanüle führen muss, um mit ihr an einer besimmten Stelle, die man nur erahnen kann, einen Tropfen Waffenöl abzusetzen.

Ich selbst bin mit dieser Methode nicht weitergekommen und forschte weiter, bis ich einen Weg fand, der absolut idiotensicher dem Keuchhusten den Kampf ansagt, ohne dass man raten muss, wo und was man gerade ölt.

Man benötigt:

  • Schraubendreher entsprechender Größe
  • Ballistol Waffenöl
  • Spritze

Für diese Methode wird statt der Bodenabdeckung, die Bajonettabdeckung entfernt. Die vier Schrauben werden vorsichtig mit einem kleinen Philips-Feinmechaniker Schraubendreher gelöst.

Vorsichtig wird der Rahmen des FD-Bajonetts angehoben.

Die Kamera liegt nun vor uns auf dem Tisch, so als würde man sich selbst fotografieren wollen, den Blick auf den eröffneten Spiegelkasten gelegt.

Das Bajonett wird von vier Schrauben am Gehäuse gehalten. Doch nur die Schraube in der oberen, linken Ecke ist für das Vorhaben von Bedeutung.

Nach Entfernen dieser Schraube wird mit einer Spritze etwas Waffenöl aufgesaugt und in das just freigelegte Loch getropft.

Wichtig ist, dass es sich um winzige Mengen handelt. Ein, maximal zwei Tropfen. Je nach dicke der Kanüle finden diese schon in der Nadel Platz, so dass man sich ein Gefühl für die vorhandene Menge aneignen muss. Denn Zu viel Öl kann im schlimmsten Falle die Kamera verölen und den Tuchverschluss beschädigen.

Nun wird fleißig ausgelöst. Ein Powerwinder hilft hier ungemein weiter. Zudem sollte man die Kamera auch in ihrer Lage ändern, während man auslöst. Schon nach wenigen Sekunden klingt das Auslösegeräusch deutlich angenehmer und der Spiegel schnellt spürbar schneller zurück.

Ist alles zur Zufriedenheit, wird die Kamera Schritt für Schritt wieder zusammengebaut und dem Fotografieren ohne Keuchhusten steht nichts mehr im Wege. Bei Bedarf einfach eine Ölung durch das Schraubenloch wiederholen.

Ich selbst habe es gerade an der A-1, Ae-1 und der Ae-1 Programm gemacht. Die Vorgehensweise ist zumindest bei diesen Modellen – wahrscheinlich bei allen Modellen der A-Serie – identisch und zielführend.

Man entschuldige bitte die Handybilder. Beim Basteln denke ich sehr selten daran, mit einer Kamera zu knipsen. Sowas fällt mir dann erst später ein..

Das könnte Dich auch interessieren …

9 Antworten

  1. Florin sagt:

    Hallo Sascha,

    danke für die Anleitung!!
    Habe es gerade ausprobiert. Ich habe einen Tropfen oben in das Schraubloch gegeben.
    Nach mehrmaligen Auslösen der Kamera, war der Keuchhusten noch da.
    Danach habe ich einen zweiten Tropfen eingeführt. Habe mehrmals ausgelöst und die Kamera jetzt wieder verschlossen. Leider ist der Husten noch da. Weißt du woran es noch liegen könnte?:/
    Muss ich noch öfter auslösen oder habe ich den Tropfen nicht tief genug hinein gegeben? Bin dankbar, für jede Idee.

    Herzliche Grüße
    Florin

    • Ben sagt:

      Hi!

      Ich empfehle die Kamera mit einem Powerwinder auslösen zu lassen, um die verharzten Mechaniken wieder in Gang zu werfen. Das kann manchmal etwas dauern. Hatte erst neulich ein Modell, dass gut 5 Minuten auslösen musste. Wichtig: Dem Öl muss man etwas Zeit geben.

      Ob du den Tropfen nicht tief genug hinein gegeben hast, kann ich leider nicht wissen, da ich nicht anwesend war, als du deine Kamera öltest! 🙂

      p.s. Wie kommen hier eigentlich so viele auf „Sascha“?

      viele Grüße,

      Ben

  2. Jo Auth sagt:

    dein Weg scheint mir der einfachste zu sein, den ich bisher im Netz gesehen habe. Jetzt werde ich mich mal an meine A1 herantrauen und auch den alten Winder wieder ausgraben. Vielen Dank.

  3. Uwe sagt:

    Hallo Sascha,
    vielen Dank für die gut illustrierte Anleitung. Der Weg, den du beschreibst, erscheint mir als Laien gangbarer zu sein, als die gesamte Kamera auseinander zu bauen.
    Dennoch frage ich mich, wohin genau du das Öl in das Schraubloch gibst. Ich sah Anleitungen mit einer gebogenen Kanüle, die ca. 35mm noch unten in die Kamera eingeführt und dann geölt wird.
    Könntest du diesen Weg genauer ausführen?
    Vielen Dank.

    • Ben sagt:

      Ich antworte dennoch mal, auch wenn ich nicht Sascha, sondern Ben heiße.

      Den von dir beschriebenen Weg, bei dem mit einer Kanüle das Öl durch den Kameraboden eingeführt wird, hab ich – wie oben beschrieben – auch getestet, kam aber nicht zum Ziel, weshalb ich ihn für mich als nicht praktikabel ansah und „meine“ Methode fand. Das Öl fließt seitlich in die Mechanik des Spiegels – eben dort, wo es quietscht. Vorteil: Man muss nicht blind mit der Nadel durch das Gehäuse navigieren und läuft auch nicht Gefahr, das Öl ziellos zu applizieren bzw es im ganzen Gehäuse zu verteilen.

      viele Grüße,

      Ben

  4. bernhard1965 sagt:

    Eine Kamera mit Keuchhusten, ich musste richtig schmunzeln 🙂

    LG Bernhard

  1. 5. Dezember 2021

    […] Wenn Du auch eine A-Kamera vom Husten heilen möchtest, dann findest Du hier die kurze hilfreiche Video-Anleitung nach der ich vorgegangen bin. Ein anderer Weg führt von vorne durch das Kameragehäuse. Man muss dazu zwei Schrauben mehr lösen, das Verfahren ist aber anscheinend auch kein Hexenwerk. Eine Erklärung dazu findest Du hier. […]

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.