Hüttenwerke und Fotografie – ein Ding der Unmöglichkeit?

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Thyssen-Krupp Hauptverwaltung

Nach meiner Anfrage bei Thyssen-Krupp Stahl, in der ich fragte ob und wie man die Möglichkeit bekommt, einen Hochofenabstich oder das Schlackekippen zu fotografieren, wurde ich lediglich auf eine Tour mit ABSOLUTEM FOTOVERBOT hingewiesen. Ähnliches erfuhr ich von Fotokollegen, die andere Betriebe im Ruhrgebiet anschrieben und ähnliche Antworten erhielten.

Gut, nun muss man TKS (und den anderen) zugute halten, dass sie immerhin interessierte Besucher ins Werk lassen, um diesem hochinteressanten Prozess beizuwohnen. Wirklich super! Alternativ kann man sich auch noch bei der Langen Nacht der Industrie anmelden und hoffen, dass man für eine Tour durch die stahlerzeugenden Betriebe (die regelmäßig teilnehmen) ausgelost wird – jedoch auch mit absolutem Fotoverbot!

In Anbetracht des mehrmals betonten Fotoverbots sollte man sich als Otto-Normal-Verbraucher wohl damit abfinden, nie in den Genuss zu kommen, die Ästhetik des fließenden Eisens zu fotografieren. Daher mag folgender Gedankengang nun naiv klingen: Aber wie kann man nun einen Abstich fotografieren? Klingt es naiv? Ja klingt es, aber ich würde mir die Frage nicht stellen, wenn ich nicht wüsste, dass es doch irgendwie möglich sein muss.. Wieso bin ich mir da so sicher? Weil solche Bilder zu Hauf durch einschlägige Gruppen und Foren geistern.

In der Facebookgruppe „Industriefotografie Ruhrgebiet“ (stellvertretend für viele andere Foren und Gruppen zum Thema) gibt man sich auf solche Fragen geschlossen bis abweisend. Immer wiederkehrende Aussagen: „Finde Dich damit ab, dass die nicht jeden Hinz und Kunz aufs Gelände lassen!“ oder:Ein Stahlwerk ist kein Spielplatz!“ – ach echt? Da wäre ich nicht drauf gekommen! Jeder, der sich mit der Materie auseinandersetzt und ihre Faszination erkennt, wird wissen, mit welchem Respekt man ihr gegenübertreten muss und vor allem wird jedem klar sein, dass man sich in solch einem Terrain als Fremder natürlich nicht frei bewegen kann und darf! Da sind solche Zurechtweisungen mehr als unangebracht. Hier geht es um viel mehr, als nur das pure Gaffen und Erhaschen, oder den Wunsch DAS FOTO zu schießen, das einen von anderen abhebt. Diese Behauptungen sind schlicht und ergreifend falsch. Hier geht es um Faszination, die einem Gänsehaut vor lauter Freude und Enthusiasmus beschert. Bei mir als Asperger Autist ist diese Faszination sicherlich noch stärker ausgeprägt, als bei anderen, die lediglich etwas „Abgefahrenes“ fotografieren wollen.

Ich bin zu weit vom Thema abgeschweift, denn jetzt kommt der Punkt, der mich stutzig macht: Trotz jeglicher Fotoverbote und Aussagen wie „Ein Stahlwerk ist kein Spielplatz!„, ist es äußerst seltsam, dass in Gruppen zum Thema Industriefotografie ständig eben solche Fotos von u.A. Hobbyfotografen, die augenscheinlich nicht den Betrieben angehören, auftauchen.. Schlackebeete, Stahlarbeiter am Abstich, Funkenflug beim Masselgießen.. Klar sind auch einige Bilder von Profis dabei, die vielleicht Aufträge in den Betrieben hatten. Da kann ich das nachvollziehen, dass sie hochoffiziell dort fotografierten, aber Hobbyfotografen, die zudem betriebsfremd sind und augenscheinlich dort ein und ausgehen? Da frage ich mich: wieso sie und nicht ich? was machen diese Leute richtig?

Ich selbst beobachte diese Thematik bewusst seit rund einem Jahr.

Mittlerweile habe ich Kontakt zu Leuten aufgenommen, die solche Prozesse in den hiesigen Betrieben fotografierten – leider ohne Erfolg. Man scheint wohl unter sich bleiben zu wollen und hält das ganze sehr konspirativ. Dann werde ich halt weiter die Betriebe anschreiben und hoffen, irgendwann bei einem Sachbearbeiter zu landen, der mein Anliegen nachvollziehen kann und mir grünes Licht gibt.

Was würde ich dafür geben, diese Urgewalt des kochenden Eisens fotografieren zu dürfen..

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2 Antworten

  1. 2. Januar 2017

    […] – Ich habe es mir irgendwie in den Sinn gesetzt, Prozesse in einem Hüttenwerk fotodokumentarisch festzuhalten. Schlackekippen im Schlackebeet, Hochofenabstich usw. Bislang erntete ich auf Anfragen an […]

  2. 8. Februar 2017

    […] das Fotografieren ist bei Industriebetrieben keine Selbstverständlichkeit. Auch wenn einige Betriebe mittlerweile Besuchertouren anbieten, […]

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